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Letzte Änderung:
21.06.2017

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Ingenieurmangel im deutschen Mittelstand
Nur meine Meinung

Dipl.-Inf.
Olaf Barheine

In Deutschland fehlen Ingenieure – und das nicht zu knapp! Allerdings sind nicht in erster Linie diejenigen betroffen, die am lautesten wehklagen, die großen Konzerne in München, Stuttgart oder anderswo, sondern die vielen kleinen mittelständischen Unternehmen, abseits der großen Hightech-Standorte.

Viele der ausgeschriebenen Positionen in F&E können von Mittelständlern offenbar nicht besetzt werden. Das zeigt ein Blick auf deren Homepages, in die Stellenmärkte der Tageszeitungen oder die einschlägigen Jobbörsen im Internet. Stellenangebote für Ingenieure sind dort reichlich zu finden – wochenlang, manchmal monatelang. Offenbar ohne Erfolg.

Mir sind Unternehmen bekannt, die bereits Prämien für ihre Mitarbeiter ausloben, wenn sie erfolgreich neue Ingenieure anwerben. Andere Unternehmen sehen aufgrund des Ingenieurmangels inzwischen angeblich sogar ihre Existenz am Standort Deutschland bedroht und erwägen eine Standortverlagerung ins Ausland.

Freiberufler könnten die Lage entschärfen

Warum immer noch so wenig mittelständische Unternehmen angesichts dieser Situation auf Freiberufler setzen, bleibt ein Rätsel. Der verstärkte Einsatz freier Mitarbeiter kann die angespannte Lage am Arbeitsmarkt zwar nicht beseitigen, aber die Situation zumindest entschärfen.

Die großen Konzerne haben das längst erkannt und setzen verstärkt auf externe Berater und Entwickler. Und die Anzahl der Freiberufler wächst: In den einschlägigen Datenbanken für Freiberufler sind Tausende von IT-Fachkräften registriert. Manch Arbeitsmarktexperte geht sogar davon aus, dass das Freiberuflertum zumindest im Ingenieursektor das Arbeitsmodell der Zukunft sein wird. Hochflexible Mitarbeiter, die sich auf Zeit, weltweit für ein bestimmtes Projekt zusammenfinden und komplexe Aufgabenstellungen lösen. Und die Unternehmen profitieren von Freiberuflern in vielerlei Hinsicht.

Leistungsbezogene Entlohnung

KMU verlieren Entwickler und Umsatz

Einer Studie des BITKOM und des Fraunhoferinstituts IAO aus dem Jahr 2012 zufolge führte der verschärfte Wettbewerb um Softwareentwickler bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im ITK-Sektor zu Umsatzeinbußen von rund 11 Mrd. Euro. Das waren 8,5 Prozent des gesamten Umsatzes. Qualifizierte Mitarbeiter würden häufig zu besser zahlenden Arbeitgebern abwandern oder aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausscheiden. Für die Studie wurden 203 ITK-Unternehmen befragt.
(Quelle: Fraunhofer IAO)

Freiberufler werden in der Regel pauschal oder auf der Basis von Stunden- oder Tagessätzen entlohnt. Ein Anspruch auf Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Lohnfortzahlung gibt es nicht. Und auch für die Sozialversicherungsleistungen wie Krankenversicherung und Altersvorsorge sowie Abfuhr der Steuern sorgt der Freiberufler selbst. Der Verwaltungsaufwand ist für den Auftraggeber dementsprechend gering und beschränkt sich im wesentlichen auf die Erfassung der Arbeitszeiten und die Abnahme der erbrachten Leistungen.

Die Verträge mit Freiberuflern können sehr flexibel gestaltet werden. In der Regel wird zwischen dem Auftraggeber und dem Freiberufler über eine vereinbarte Laufzeit ein Werkvertrag oder ein Dienstvertrag abgeschlossen. Hinzu kommt meistens noch ein Geheimhaltungsabkommen, in dem festgelegt wird, wie die Vertragspartner gegenseitig mit vertraulichen Informationen während und nach Ende des Projekts umzugehen haben.

Externes Know-how bringt frischen Wind ins Unternehmen

Aufgrund ihres reichhaltigen Erfahrungsschatzes können freie Ingenieure wertvolle Informationen in die Projekte einbringen. Das kann sich über alle Phasen eines Projekts erstrecken, also bei Anforderungsanalyse, Entwurf, Implementierung, Integration und Systemtests. Davon profitiert vor allem der Auftraggeber. Auf diese Weise entstehen neue Ideen und Konzepte, Entwicklungsabläufe können optimiert werden, und die Wettbewerbsfähigkeit wird gestärkt.

Der Mensch lernt nie aus. Dieser Satz gilt natürlich auch für die wachsende Gemeinde der freiberuflichen Ingenieure, die sich in Eigenverantwortung ständig weiterbilden muss. Gerade im IT-Sektor ist der technologische Fortschritt gewaltig. Es gibt immer wieder neue Methoden, neue Tools, Hardwarekomponenten, neue Techniken etc. Da kann man schnell den Anschluss verlieren. Mit entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen muss der Freiberufler dem stets begegnen.

Unternehmerisches Handeln und Denken

Selbstverständlich muss ein Freiberufler unternehmerisch handeln. Daran hapert es bei fest angestellten Mitarbeitern allzu häufig. Der Freiberufler muss für sich werben, er muss seine Buchhaltung pflegen, er muss sich in steuerlichen sowie betriebswirtschaftlichen Fragen auskennen und vieles mehr. Von dieser Geisteshaltung profitiert auch der Auftraggeber. Last, not least sind ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Motivation und Belastbarkeit wesentliche Grundvoraussetzungen, die jeder Freiberufler mitbringen sollte und in der Regel auch mitbringt.

Fazit

In Deutschland fehlen Ingenieure. Mittelständische Unternehmen sind erfahrungsgemäß härter betroffen als große Konzerne, die sich leichter tun, durch ihren hohen Bekanntheitsgrad und ein ausgefeiltes Personalmarketing neue Ingenieure zu akquirieren.

Freiberufler können zumindest dazu beitragen, die Situation in den kleinen Unternehmen zu entschärfen und mit ihrem Know-how, die Projekte zu bereichern. Die Konzerne setzen bereits seit Jahren verstärkt auf freie Berater und Entwickler, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen, z.B. aus den Bereichen Maschinenbau, Automobilzulieferer oder Medizintechnik, begegnen den personellen Engpässen in ihren Entwicklungsprojekten immer häufiger mit externen Mitarbeitern.

Es zeichnet sich bereits ab, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren sicherlich nicht entschärfen wird und Ingenieure weiterhin ein knappes Gut bleiben.

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Dipl.-Inf. Olaf Barheine, Freiberufler/Freelancer, IT-Consultant, Entwickler

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